Spuren der Urbanisierung im Berliner Stadtbild

Wer Berlin mit offenen Augen erkundet, kann auch heute noch die Spuren entdecken, die der Prozess der Urbanisierung im Gesicht dieser Stadt hinterlassen hat.

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Die Spuren der dörflichen Vergangenheit

Richardstraße

In der Gegend um den Neuköllner Richardplatz schlägt eines der historischen Herzen dieser Stadt. Hier lässt sich ohne viel Mühe nachvollziehen, wie das alte Rixdorf ausgesehen haben mag. Rixdorf, das ist der Name, den dieser Teil des bundesweit als Problemkiez bekannten Stadtteils von seiner Gründung an bis ins Jahr 1912 getragen hat. Hier ist das Stadtbild noch von Kopfsteinpflaster, Gaslaternen und vor allem von einstöckigen, mit großen Toreinfahrten versehenen Häusern geprägt. Mitten im traditionsreichen Arbeiterbezirk Neukölln hat sich so ein kleines Stück vorurbanes Alt-Berlin erhalten.

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Bürgertum und Einzelhandel:

Haus aus Gründerzeit

In unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Schulgebäude findet sich in der Greifswalderstrasse noch ein Überbleibsel des vorurbanen Stadtbildes. Seit den 1840er Jahren bebauten die ersten Berliner die stadtnahen Gebiete zunächst mit kleinen, zweigeschossigen Häusern, deren Dachgeschosse sie später ausbauten, um weiteren Wohnraum zu schaffen. Neben den auch heute noch erhaltenen Pracht- und Prunkbauten prägten vor allem diese Häuser das Stadtbild.
Das Hochparterre oder manchmal auch der Keller dieser Hauser wurde häufig als Ladenfläche oder Gewerbeeinheit genutzt. Es scheint aus heutiger sicht doch recht ungewöhnlich, musste man doch zum Einkaufen die Räumlichkeiten durch das Treppenhaus betreten, in denen heute die Mieter des Erdgeschoßes wohnen.

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Die Kultur der Berliner Hinterhöfe

Berliner Hinterhöfe

Die tiefsten Spuren hat die Urbanisierung in den Berliner Arbeiterbezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg, hier Dänenstrasse, hinterlassen. Hier ist das Straßenbild überwiegend von fünfgeschossigen Wohngebäuden in geschlossener Blockbauweise geprägt. Diese auch als Mietskasernen bezeichneten großen Mietshäuser für die untere Bevölkerungsschicht wurden so gebaut, dass sie eine möglichst hohe Anzahl von Wohnungen auf dem gegebenen Grundstück hatten und damit den Gewinn maximierten. Dabei wurden die Bauvorschriften ausgereizt oder sogar ignoriert.

Diese Häuser stehen oft synonym für eine schlechte Wohnqualität oder bedrückende soziale Verhältnisse. Nur ein geringer Teil der Wohnungen war an das sanitäre System angeschlossen. Meistens teilten sich mehrere Mietparteien eine Toilette auf dem Gang. Zur Müllhalde verkommen verbreiteten die Lichtschächte einen erbärmlichen Gestank. Die katastrophalen hygienischen Zustände, Kälte, Feuchtigkeit und Dunkelheit verursachten ein besonders gesundheitsschädliches Wohnklima. Viele Mieter zwang ihre finanzielle Situation zum so genannten "Trockenwohnen". Hierbei bezieht der Mieter einen Neubau kurz nach dessen Fertigstellung, also bevor der Bau vollständig getrocknet war.

Trotz der bedrückenden Verhältnisse stellen diese Hinterhöfe die Wiege des Berliner "Nationalcharakters" dar. Hier wuchsen die Berliner Gören auf, Heinrich Zille fand hier die Motive zu seinem Lebenswerk.

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Urbanisierung in der Theorie

Definition und Differentierung von Urbanisierung

Verstädterung ist die Vermehrung, Ausdehnung oder Vergrößerung von Städten nach Zahl, Fläche oder Einwohnern.

Urbanisierung ist die Ausbreitung und Verstärkung städtischer Lebens-, Wirtschafts- und Verhaltensweisen

Urbanisierung: als Umstrukturierungsprozess

  • Suburbanisierung (Ausdehnung des Stadtkerns)

    Suburbanisierung

  • Desurbanisierung (Verstädterung alt industrieller Städte)

    Desurbanisierung

  • Reurbanisierung (Wiederbelebung des Stadtkerns)

    Reurbanisierung

Suburbanisierung:

Begriffserklärung: Als Suburbanisierung bezeichnet man die Ausdehnung von städtischer Siedlungsweise und Bevölkerung in das Umland einer Stadt.

Ursache und Wirkung: Durch billige Investitionsflächen außerhalb der Städte verlegen große Industrien ihre Werkstätten auf das Land. Das hat zu Folge, dass auch die Arbeiter, welche nicht immer aus dem Stadtkern zu ihrer Arbeitstätte pilgern wollen, auch auf das Land ziehen und dort neue Siedlungen errichten. Der Stadtkern stirbt langsam vollkommen aus und manche Teile einer Stadt liegen dann sogar brach.

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Beispiel Ostdeutschland:

Leipzig, 493.208 Ew. (2000), -14,7% (1990-2000) Industrie- und Messestadt.

Geschichte: 1015 erste Erwähnung, 1165 Marktrecht, zentraler europ. Handelsplatz, 1409 Universitätsgründung, 1481 erster Buchdruck, 1497 Messeprivileg, 1813 Völkerschlacht, 19. Jh. Ansiedlung div. Industrie, 1943 durch Luftangriff erheblich zerstört, zu DDR-Zeiten industriell kaum weiterentwickelt, 1989 Montagsdemonstrationen.

Wirtschaft: traditionell Schwermaschinenproduktion, Elektrotechnik, Leichtindustrie, grafische Betriebe und Buchdruck, heute Rückgang der lndustriearbeitsplätze und Zunahme der Bereiche Banken, Versicherungen, Medien und Dienstleistungen, zahlreiche Fachmessen.

Stadtstruktur: großer Gründerzeitbestand, Großsiedlungskomplexe, 90er Jahre Bauboom am Stadtrand: Geschoßwohnungsbau, Eigenheime und Gewerbesuburbanisierung.

Aktuell: Stabilisierung nach Abwanderungswelle, Segregation in den lnnenstadtvierteln, problematische Altbaugebiete, Abrisse in Platte und Altbau geplant, intensive Arbeit an Image und Großprojekten (Olympia...)

Halle, 246.450 Ew. (2000), -18,0% (1990-2000) Industriestadt und Verwaltungssitz, größte Stadt Sachsen-Anhalts.

Geschichte: 806 Kastell "Halla" am Saale- übergang, Teil des Erzbistums Magdeburg, mit Salzgewinnung Blüte der Stadt im Mittelalter, 1260 Stadtmauer und Hansebeitritt, starkes Stadtwachstum im Zuge der Industrialisierung, ab 1963 Bau der Chemiearbeitersiedlung Halle-Neustadt, 1990 Zusammenschluss Halle und Halle-Neustadt.

Wirtschaft: Historisch Kalisalz und Braunkohleabbau, Maschinen-, Fahrzeug- und Waggonbau, Chemiestandort im direkten Umland (Buna, Leuna), zunehmend Dienstleistung, Verwaltung, Wissenschaft, Technologie.

Stadtstruktur: geringe Kriegszerstörung der historischen Innenstadt, 7Oer/8Oer z.T. Flächenabriss und Neubau, gründerzeitliche Stadterweiterungen, 2Oer-Jahre-Gartensiedlungen, Plattenbau-Großsiedlungen.

Aktuell: Abwanderung und Leerstand fortschreitend, besonders in Großsiedlungen (Neustadt, Silberhöhe)

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Suburbanisierung als Vergleichsmodell:

Eingebettet in den Urbanisierungszyklus von:

  • Urbanisierung; (Verdichtung und Vergrößerung menschlicher Siedlungen)

  • Suburbanisierung; (Ausdehnung von städtischer Siedlungsweise in das Umland)

  • Desuburbanisierung; (Entstädterung)

  • Urbanisierung; (Verdichtung und Vergrößerung menschlicher Siedlungen)

  • Resuburbanisierung; (Bevölkerungs- und Beschäftigungszunahme in der Kernstadt)

wird Suburbanisierung als ein zyklisches Phänomen betrachtet, wobei die einzelnen Phasen auch als parallele Formen im städtischen Umfeld anzutreffen sind, und nicht unbedingt aufeinander folgen müssen.

Im Gegensatz zu der Urbanisierung findet sich eine Umverteilung von Bevölkerung und Arbeitsplätzen in das Umland einer Stadt wieder. Bei diesem Modell bleiben die Bevölkerungs- und Arbeitsplatzzahlen einer Stadt gleich, jedoch gewinnt das Umland an Bedeutung.

Der Begriff Suburbanisierung wird gleichzeitig mit Suburbanisierung von Bevölkerung und auch mit Suburbanisierungsprozessen wie Handel und Dienstleistungen verwendet.

Prozessbeschreibung:

Seit Beginn der Massenherstellung von Automobilen ist ein Anstieg der Suburbanisierung zu beobachten. Die Abwanderung von Menschen aus den Großstädten oder die Zuwanderung in die Ballungsgebiete, führt zur Verstädterung von ländlichen Gemeinden. Bei Neubildung von Siedlungen, hat dies zur Wirkung, dass sich Trabantenstädte (Wohngebiete für Pendler ohne große Arbeitsplatzdichte) oder Satellitenstädte (geplante Arbeitersiedlung mit Anbindung an die Kernstadt) entwickeln. In Deutschland ist ein solches Phänomen von Trabantenstädten z.B. in Berlin-Marzahn und Berlin-Hellersdorf zu sehen. Ein typisches Beispiel für Satellitenstädte ist die Gropiusstadt in Berlin mit 18.500 Wohnungen (1970).

Folgen der Suburbanisierung:

Der Verlust an Zentralität in der Kernstadt hat häufig zur Folge, dass

  • wenige Arbeitsplätze vorhanden sind

  • sich die Einzelhandelsstruktur verändert

  • eine Überkapazität von Infrastruktur (in den Bereichen Verkehr, Ver- und Entsorgung, Kultur und Freizeit) entsteht.

Die Zunahme an Zentralität in der Umlandgemeinde zieht nach sich, dass

  • die Verfügung von Wohn- und Gewerbeflächen schwindet

  • es zu einer Versiegelung von Flächen kommt

  • das Steueraufkommen höher ist

Gründe für Suburbanisierung:

  • Landflucht (Zuwanderung durch Inländer in die Stadt)

  • Hohe Miet- und Baulandpreise

  • Das Umland hat durch die Mobilität an wertvolleren Aspekten gewonnen, z.B.: bessere Luft, besseres Wohnumfeld für Kinder usw.

  • Ausbau des Verkehrswegenetzes

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